Ohne Flugangst ist Fliegen viel schöner

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Vor dem Abflug werde ich normalerweise immer sehr nervös.


Ich liebe das Reisen über alles, sonst hätte ich sicher auch keinen Reiseblog. Mit meiner wunderbaren Frau habe ich diesbezüglich auch den Haupttreffer gemacht, denn wir haben unsere Reiseleidenschaft gemeinsam mit den Jahren entwickelt. Sie dürfte aber immer schon in uns geschlummert haben. Aber viele Destinationen sind nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Ich wage sogar zu behaupten, die Interessantesten. Doch an diesem Punkt beginnt die Sache kompliziert zu werden, denn der Gedanke ans Fliegen treibt mir seit vielen Jahren die Schweißperlen auf die faltige Stirn. Wenn ich in einem Flugzeug sitze, beginne ich aber nicht nur sprichwörtlich zu schwitzen, in luftiger Höhe läuft mir der kalte Schweiß hinunter. Wenn das Flugzeug dann auch noch zu ruckeln beginnt, ist es mit meiner Contenance endgültig vorbei. Ich werde dezent panisch und verkrampfe meinen gesamten Körper. Zu allem Überfluss rebelliert meine Verdauung und ich bekomme Durchfall. Ein Vorteil, denn der einzige Ort, an dem ich halbwegs ruhig werde, ist die enge Flugzeugtoilette. Und dabei habe ich gar keine Angst vor dem Fliegen, ich weiß nicht einmal, ob es die Möglichkeit abzustürzen ist, die mich nervös macht.





Tatsache ist, Fliegen war für mich schon lange kein Vergnügen mehr. Dabei habe ich schon mehrere Dinge ausprobiert, aber geholfen hat nichts. Fast nichts. Auf meinen Reisen konnte ich bis jetzt zwei Maßnahmen ausmachen, die meine Flugangst zumindest teilweise verringert haben: viel fliegen und sich besaufen – Zweiteres auf Dauer nicht optimal, Ersteres aus Zeit- und Geldgründen nicht machbar. Bei meinen bisherigen Reisen bemerkte ich eine gewisse Abstumpfung, wenn ich innerhalb weniger Wochen mehrfach starten und landen musste. Je mehr ich also innerhalb einer gewissen Zeitspanne flog, umso lockerer wurde ich. Klingt gut, ist aber wiegesagt aus verschiedenen Gründen nicht möglich, selbst wenn ich wollte. Die andere Lösung heißt Alkohol.


Als ich auf einem Heimflug von Thailand einmal neben einem äußerst witzigen Norweger saß, der mir neben seiner Flugangst auch einen Sack mit unzähligen Dosen Bier offenbarte, die er unbedingt mit mir teilen wollte, überkam mich die Erkenntnis: Besoffen macht Fliegen auch mehr Spaß. Der nicht minder alkoholisierte Nordmann und ich haben uns gemeinsam betrunken und Zeichentrickfilme geschaut. An Angst kann ich mich nicht mehr erinnern, an alles andere aber auch nicht. Das ist also auch keine Dauerlösung.


Ohne Aussicht auf Änderung meiner Furcht vor dem Fliegen, war ich in einer blöden Situation. Die Anreise zu den Wunschzielen meiner wunderbaren Frau und mir, war so übel, dass jede Reise wie der Inhalt eines ungenießbaren Sandwichs war. Innen bester Käse mit frischen Tomatenscheiben und außen verdorbenes Brot, denn zu Beginn und am Ende jeder Reise stand der vermaledeite Flug. Wie oft saß ich verkrampft und schwitzend im Flugzeug und sagte zu meiner Frau: Ich mache das nie wieder. Sie hat mir nie geglaubt, denn spätestens ein paar Wochen nach der Landung überkam mich immer wieder die Reiselust und ein paar Monate später war unsere nächste Reise bereits geplant. Blöd gelaufen.


Wenn Sie mich fragen, wovor ich Angst habe, kann ich es gar nicht sagen. Ich fühle mich an Bord eines Flugzeuges einfach nicht wohl. Ich mag die Bewegungen nicht, die diese im Grunde unglaubliche Maschine vollführt, auf die ich keinerlei Einfluss habe. Ja, vielleicht ist es sogar der so oft zitierte Kontrollverlust, der mich in ein zitterndes Wrack verwandelt. Sowohl meine Frau als auch meine Vernunft sagen mir immer wieder, wie sicher Fliegen ist, dennoch schaffen sie es nicht, mein Bauchgefühl in die Knie zu zwingen. Mein Bauchgefühl hat Elefantenknie.


Im Dezember letzten Jahres war es wieder so weit. Wenn Sie meine letzten Blogs gelesen haben, wissen Sie wovon ich rede. Wir haben unsere nächste Reise geplant. Unsere Ziele waren New York und Florida, und wer geografisch nur den Hauch einer Ahnung hat weiß: Es gibt keine Straßenbahnverbindung in die USA. Wir mussten wieder einen Flug buchen, noch dazu die Langstrecke. Diesmal nahm ich mir vor etwas zu gegen meine Flugangst zu unternehmen.


Die Bücher und Artikel, die ich bisher gelesen hatte, haben nichts bewirkt. Die verschiedensten pflanzlichen Mittel zeichneten sich bei mir ebenfalls durch 100-prozentige Wirkungslosigkeit aus. Ich nahm mir vor zu recherchieren und auf härte Sachen umzusteigen und durchsuchte das Internet nach einer Lösung. Schnell stieß ich auf Psychopharmaka mit den bösen Wirkstoffen Diazepam, Lozrzepam und Oxazepam. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und sollen zumindest kurzfristig eine starke Wirkung entfalten, sie können allerdings auch Nebenwirkungen auslösen, die ich an dieser Stelle keineswegs verharmlosen möchte. Diese Mittel sollten AUSSCHLIESSLICH NACH ABSPRACHE MIT EINEM ARZT eingenommen werden – sie müssen zumindest in Österreich ohnehin von einem solchen verschrieben werden. Ich machte mir also einen Termin bei meiner Hausärztin aus und erklärte ihr mein Dilemma.


Meine Ärztin zeigte glücklicherweise Verständnis, auch wenn sie natürlich skeptisch war. Sie verschrieb mir eine Packung mit 20 Xanor Tabletten. Dieses psychotrope Medikament enthält den Wirkstoff Alprazolam und soll gegen Angst und Nervosität wirken und überaus entspannend sein. „Entweder werden Sie hundemüde oder sehr lustig“, sagte meine Ärztin zu mir und klärte mich weiters über die Nebenwirkungen und das Suchtpotenzial dieser Tabletten auf. Müde wäre besser, dachte ich, denn sehr lustig bin ich schon. Ich hatte allerdings nicht vor auf dieses Mittelchen süchtig zu werden, ich wollte lediglich versuchen den bevorstehenden Flug halbwegs erträglich zu gestalten. Skeptisch war ich allerdings selber.


Meine Hausärztin hat mir empfohlen eine dieser Tabletten ein paar Wochen vor dem Urlaub zu Hause ausprobieren, es könnte schließlich sein, ich vertrage die Wirkstoffe nicht oder reagiere allergisch. Zwei Wochen vor der Abreise, es war ein heißer und sonniger Tag in Wien, nahm ich meine erste Xanor. Und ich spürte im Grunde NICHTS. Ich hatte zwar das Gefühl etwas gelassener auf meine Umwelt zu reagieren, aber dieses Gefühl war sehr dezent und hätte auch Einbildung sein können. Die Wirkung der Passionsblumenpillen die ich einmal ausprobiert hatte waren ähnlich und haben gar nicht geholfen. Jetzt war ich noch skeptischer, aber immerhin: Ich war nicht allergisch.


Bereits am Tag vor dem Abflug wuchs meine Nervosität. 8,5 Stunden Flugzeit nach New York. Wie werde ich das bloß verkraften? Am nächsten Morgen ging es bereit um 7.00 Uhr los. Wir fuhren öffentlich zum Flughafen Wien Schwechat und es ging Schlag auf Schlag. Vor dem Check-In und der Sicherheits-Kontrolle war eine lange Schlange und ich hatte beinahe keine Zeit die Tablette zu nehmen. Rund 45 vor dem Abflug schaffte ich es trotzdem. Es war mir schließlich sehr wichtig. Ich wollte meine nächste große Reise entspannt beginnen und nicht wie ein Zombie durch den Big Apple wandeln. Der Jet-Lag wird sicher anstrengend genug.


Als ich im Flugzeug Platz nahm, merkte ich bereits eine Änderung zu anderen Flügen. Ich war ruhig. Normalerweise setzt mein Unwohlsein bereits beim Boarding ein – diesmal nicht. Als die Maschine losfuhr, war ich noch immer entspannt und auch meine Frau merkte den Unterschied recht schnell. „Die Tabletten scheinen zu wirken“, sagte sie zu mir. Ich war noch nicht ganz sicher. Erst als wir Flughöhe erreicht hatten und das Essen serviert wurde, hatten mich „die Xanor“ überzeugt. Ich blieb ruhig und war sogar in der Lage mit gutem Appetit zu essen, was mir sonst nicht gelang. Schließlich schlief ich sogar ein und machte ein 90-minütiges Mittagsschläfchen. Der Flug nach New York wurde mit Hilfe der kleinen Pillen zum schönsten Flug meines Lebens. Da ich im Schnitt nur zwei bis vier Mal im Jahr fliege, werde ich die Hilfe dieses Medikaments sicher weiterhin in Anspruch nehmen. Der Test war absolut zufriedenstellend und ich schreibe diesen Blog gerade in Fort Myers, Florida. Ein wunderschönes Plätzchen, übrigens!


Sollten Sie selber Flugangst haben, sprechen Sie aber bitte ebenfalls mit Ihrem Arzt darüber!


Meine Frau und ich wünschen Euch alles Liebe und viele großartige Reisen! Wenn du Fragen hast, kannst du mir schreiben oder kommentieren. Ich freue mich auch über freundliches Feedback und positive Mundpropaganda!


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